Im corsensys-Blog geistiges Futter finden

Haben Sie genug Futter oder brauchen Sie frische Inspiration?

von Corinna Kohfink

Glaubwürdigkeit und Integrität

oder: Warum WinWin clever ist...

Wer schon einmal zusammen mit anderen Menschen Wertearbeit gemacht hat, weiß wie unterschiedlich unsere fundamentalen Grundwerte sind. Als ich das das erste Mal erlebt habe, war ich vollkommen überrascht. Mit so einem Variantenreichtum hatte ich einfach nicht gerechnet. Einer meiner Top 3 - Werte ist Integrität. Bei allem, was ich tue oder auf die Beine stelle, läuft bei mir unterbewusst ein Check ab, ob das auch meinen Vorstellungen von Integrität entspricht. So sensibel ich da bei mir selber bin, reagiere ich auch auf das Gebaren Anderer und manchmal sträubt sich Widerstand in mir.

Ein wirklich hohes Maß an Widerstand habe ich gerade erfahren: Ich war auf einer zweitägigen Fortbildung über eine wirklich sehr, sehr spannende Methode, mit der ich in Zukunft mit meinen privaten Klientinnen und Klienten intensiv arbeiten werde. ABER: Der Trainer, der mir und anderen die Methode „verkauft“ hat, tat dies auf eine sehr, sehr kommerzielle Art und Weise. Das, was er sagte, und das, was er tat, passte für mich überhaupt nicht zusammen. Es ging um ein therapeutisches Verfahren und er sprach davon, dass es seine Mission sei, so vielen Menschen wie möglich mit dieser Methode zu körperlicher und seelischer Heilung zu verhelfen. Ihm sei es wichtig, die Methode in die Welt zu tragen und sie sich verbreiten zu lassen. Wenige Minuten später hielt er uns einen ausführlichen Vortrag über seine Copyright-Rechte. Wie jetzt? Teilen oder nicht teilen?

Fragen wurden äußerst unwillig behandelt, sie störten eher seinen Ablauf. Einer Kollegin, die um eine Therapie-Sitzung bat, sagte er, die Wartezeit läge bei einem Jahr und die Kosten bei 500 Euro für 45 Minuten. So vielen Menschen wie möglich zu Gesundheit verhelfen? Zu diesen Kosten? Wer soll das bezahlen?

Zum Ende der Fortbildung bekamen die Teilnehmer die Möglichkeit, eine auf Video aufgezeichnete Teilnehmerstimme abzugeben, die seinem Marketing diente. Dafür gab es immerhin ein kleines Geschenk. Während der beiden Ausbildungstage wurden von ihm Live-Demonstrationen der Methode vorgeführt. Auch diese wurden für seinen Youtube-Channel aufgezeichnet – angeblich wertvoll für uns als Instruktion. Von den 16 Seminarstunden gingen dafür ca. 5-6 Stunden drauf. Eine Demonstration hätte vollauf gelangt, ansonsten hätte selber üben weitaus mehr gebracht. Demonstrationen gibt es ja schon in ausreichender Menge im Internet.

Um es mit einer etwas spitzen Zunge zu formulieren: Wir haben ihm beim Anfertigen seines Marketings zugesehen und dafür auch noch (sehr viel) Geld bezahlt. Das ist geschäftstüchtig! Nahezu genial! Aber ist es auch integer? Nach meiner persönlichen Definition: klares Nein! Würde ich dort wieder eine Ausbildung buchen? Klares Nein! Ist das nachhaltig? Vermutlich nein!

Warum erzähle ich diese Geschichte? Sie als verantwortungsvoller Unternehmer oder Unternehmerin brauchen Nachhaltigkeit – um den Bestand des Unternehmens zu sichern, um die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeitenden zu bewahren, um Ihre Ideen, Ihre Mission, Ihre Vision in die Zukunft zu tragen, um Ihren Sinn für die Gesellschaft zu erfüllen und um die Welt mit Ihren wunderbaren Produkten zu bereichern.

Sie brauchen Glaubwürdigkeit und Integrität, damit Ihre Kundinnen und Kunden gerne bei Ihnen einkaufen und sich dabei als Gewinner fühlen dürfen. Stephen R. Covey hat den Begriff des WinWin schon vor sehr langer Zeit geprägt (in seinem herausragend lohnenden Buch „Die 7 Wege zur Effektivität“). Durch vielfältigen Missbrauch ist der Begriff vielleicht etwas ausgelutscht, aber in seiner tiefsten Bedeutung hat er nichts an Aktualität eingebüßt, ganz im Gegenteil!

In meinen Kommunikationsseminaren begegnen mir immer wieder Menschen, die stolz Einblicke in ihre Manipulationsschatzkiste für Verhandlungen gewähren. Ich frage dann immer gerne nach den Folgen. Manipulation führt nie zu WinWin, sondern immer zu WinLose. Dem Verlierer wird irgendwann klar (manchmal dauert das ein wenig), dass er eigentlich verloren hat und der „Gewinner“ kann sich tausendprozentig sicher sein, dass er das „zurückgezahlt“ bekommt. Also ist Manipulation weder integer noch glaubwürdig noch CLEVER! WinWin ist clever! Und deswegen hier mein großer Wunsch: Führen Sie Ihr Unternehmen nach WinWin-Prinzipien. Vielleicht ist das kurzfristig nicht der lukrativste Weg, langfristig jedoch allemal und es fühlt sich noch dazu richtig gut an!

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